Salbei

Nicht umsonst zählt Salbei zu den ältesten Gewürz- und Heilpflanzen. Seine reiche Kombination an wertvollen Biostoffen macht ihn zu einem Liebling der Naturheilkunde. Schon im alten Ägypten wurde der Salbei wegen seines beeindruckenden Wirkspektrums geschätzt und genutzt. Zugleich ist er natürlich ein beliebtes und vielseitig einsetzbares Küchengewürz, das mit seiner enormen Würzkraft viele Speisen verfeinert.

Pflanzenprofil

Der botanische Name von Salbei ist Programm: Salvaria officinalis. Im Lateinischen bedeutet „salvare“ = heilen. Der Lippenblütler stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, ist aber heute in ganz Europa beheimatet. Er wurde im Mittelalter von Mönchen hierher gebracht. Traditionell ist er daher auch in jedem Kloster-, Heilkräuter- und Bauerngarten zu finden.

Salbei wächst als mit der Zeit verholzender Halbstrauch an sonnigen Standorten. Er trägt rund ums Jahr längliche Blätter, deren Oberfläche leicht filzig-behaart und runzlig-gekerbt ist. Die Blätter verströmen einen intensiven, aromatischen Duft. Die Triebspitzen können jederzeit geerntet werden, Haupterntezeit ist jedoch kurz vor der Blüte (Juni und Juli). Dann sind die Wirkstoffe am intensivsten. Die hübschen Blüten, die blau, rot, gelb oder weiß ausfallen können, werden nicht zu Heilzwecken verwendet.

Inhalts- und Wirkstoffe

Als therapeutisch besonders wirksam werden vor allem die ätherischen Öle und die Gerbstoffe der Salbeiblätter angesehen. Die fettlöslichen ätherischen Öle gelangen über die Schleimhaut (oder auch äußerlich angewandt über die Haut) in den Blutkreislauf und können so den gesamten Organismus beeinflussen. Ihnen werden vielfältige Wirkungen nachgesagt. Gerbstoffe wirken adstringierend (zusammenziehend), ein Effekt, der gerne zur Wundheilung und bei Entzündungen sowie Durchfall genutzt wird.

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Beim Salbei speziell zu nennen sind Salviol als keimtötender Pflanzenschutzstoff, Carnosol mit antioxidativer Wirkung, Tannine als Schutz vor Fressfeinden, Fumarsäure für die gesunde Darmflora, Cineol zur Desinfektion der Atemwege und Magnesium für den Zellstoffwechsel. Aber auch Campher, Thujon, Terpen sowie ein bis zu 3%iger Anteil an Flavonoiden können nachgewiesen werden. Hinzu kommen Bitterstoffe und – in der Literatur oft völlig unberücksichtigt – ein hoher Gehalt an Phytoöstrogenen. Dabei wird auch den Flavonoiden eine Vielzahl pharmakologischer Wirkungen nachgesagt, etwa eine Radikalenfängerwirkung (antioxidativ) und eine Stabilisierungswirkung auf die Blutgefäße. Bitterstoffe fördern insbesondere die Verdauung. Frauen profitieren außerdem besonders von den Phytoöstrogenen.

So lang wie die Liste der wertvollen Inhaltsstoffe, so lang ist auch die Liste der Heilwirkungen, die dem Salbei zugesprochen werden. So heißt es: „Seine Heilwirkung umfasst ein großes Spektrum an Wirkrichtungen:

  • entzündungshemmend
  • antibakteriell, antiviral
  • zusammenziehend
  • östrogenartig
  • schweißhemmend, desodorierend
  • beruhigend
  • entspannend
  • aphrodisisch
  • fruchtbarkeitfördernd, hoch dosiert auch abortiv (Thujongehalt)
  • milchmindernd, hilfreich beim Abstillen
  • blutreinigend
  • appetitanregend.“ (aus: Heide Fischer, Frauenheilpflanzen )

Eine gesicherte Wirkung von Salbei ist nach Einschätzung der Kommissionen E (Sachverständigenkommission mit Beraterfunktion zur Zulassung pflanzlicher Arzneien beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, BfArM) und ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy) bei

  • Halsschmerzen,
  • Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut,
  • übermäßigem Schwitzen und bei
  • Verdauungsbeschwerden

[1]. Laut HMPC (Herbal Medicinal Product Committee, Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittelbehörde, EMA) kann Salbei als „traditionelles pflanzliches Arzneimittel“ eingestuft werden [2].

Die Volksheilkunde, die moderne Naturheilkunde und die allgemeine Ärzte-Erfahrung nennt jedoch eine ganze Reihe von weiteren Einsatzgebieten, in denen sich die Wirksamkeit von Salbei bewährt hat. Studien zur Wirksamkeit, die über die oben genannten hinausgehen, sind allerdings noch rar. Eine Studie des Deutschen Krebszentrums in Heidelberg konnte in 2008 eine „allgemeine Heilwirkung“ der Salbei-Inhaltsstoffe nachweisen. Auch Wirkungen bei Muskelkrämpfen, Angststörungen sowie zur Verbesserung der Blutfettwerte und des Blutzuckerspiegels gelten als möglich. Neuere Studien weisen außerdem darauf hin, dass die Einnahme von Salbeipräparaten das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit verbessern kann. Hierzu wird weiter geforscht.

Anwendungsgebiete des Salbei

Bestätigte Wirkweise des Salbei

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Der Wortlaut der für die Standardzulassung vorgeschriebenen Packungsbeilage lautet: „Entzündungen von Zahnfleisch, Mund- und Rachenschleimhaut; Prothesendruckstellen; zur Unterstützung der Behandlung von Magen-Darm-Katarrhen“. Damit sind die wissenschaftlich eindeutig belegten Wirkweisen von Salbei bezeichnet.

Entzündungen von Zahnfleisch, Mund- und Rachenschleimhaut sowie Prothesendruckstellen werden überwiegend durch eine Salbei-Mundspülung behandelt, alternativ kann man auch mit Salbei gurgeln. Durch die keim- und entzündungshemmenden Eigenschaften werden schmerzhafte Stellen im Rachenraum beruhigt. Dazu sollte der Sud aus 3 Gramm getrockneten Blättern auf 150 ml Wasser etwa 10 Minuten ziehen. Hier nicht explizit erwähnt, aber von der Kommission E/ESCOP als gängiges Krankheitsbild zum Einsatz von Salbei anerkannt, sind Halsschmerzen. Zusätzlich zu den bereits erwähnten Anwendungsformen kann man in diesem Fall auch mit Salbei inhalieren.

Magen-Darm-Katarrhe werden mit Salbeitee behandelt. Hier werden nur 2 Gramm Blätter auf 150 ml Wasser gegeben und die Ziehzeit auf 2-3 Minuten reduziert. Mehrmals täglich etwa eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten wird eine Tasse voll in kleinen Schlucken getrunken.

Inzwischen ebenfalls als gesichert gilt die scheißhemmende Wirkung der Heilpflanze. Sie wird auf eine Beeinflussung der Wärmeregulation im Hirn zurückgeführt, wodurch die Sekretion gehemmt wird. Pur oder mit anderen schweißhemmenden Kräutern gemischt wird Salbeitee auch von Frauen während der Wechseljahre sehr geschätzt. Äußerlich gelten Waschungen mit Salbeisud als hilfreich gegen Schweißausbrüche und juckende Haut. Bei Fußschweiß kann ein Salbei-Fußbad Abhilfe schaffen.

Überlieferte Wirkweisen und angewandte Volksmedizin

Noch umfassender als die bestätigten Anwendungsgebiete laut Standardzulassung sind die durch lange Erfahrung überlieferten. Frühe arabische Heiler nutzten ihn zur Steigerung der geistigen Fähigkeiten, Paracelsus empfahl Salbei gegen Fieber, und Hildegard von Bingen verordnete ihn gegen Kopfweh. Salbei galt sozusagen als Allzweckheilmittel, das gegen beinahe jede Art von Beschwerden eingesetzt werden konnte. In der Ärzteschule von Salerno hieß es sogar: „Warum soll sterben ein Mensch, in dessen Garten der Salbei wächst?“ In der Praxis bewährt haben sich wohl folgende Anwendungsgebiete:
Die adstringierende Wirkung von Salbei kann nicht nur bei Wunden und Entzündungen der Mundschleimhaut helfen, sondern generell zur Unterstützung der Wundheilung genutzt werden. Packungen oder Einreibungen sollen Hautprobleme lindern.

In der Frauenheilkunde wir Salbei traditionell zum Abstillen genutzt. Wegen seines hohen Östrogengehaltes gilt er als fruchtbarkeitsfördernd in der ersten Zyklushälfte. Vor allem wird er aber gegen Hitzewallungen und andere Beschwerden der Wechseljahre eingesetzt.

Frischer Salbei kann zudem als „Zahnbürste“ dienen: Ein großes Salbeiblatt wird um den Zeigefinger gewickelt und Zähne und Zahnfleisch damit gründlich massiert. Das Ergebnis sind saubere, keimfreie Zähne, gepflegtes Zahnfleisch und frischer Atem.
Nicht zu vergessen ist natürlich die Verwendung von frischem Salbei in der Küche! Er entfaltet seine magenfreundliche und verdauungsregulierende Wirkung über die Speisen und macht vor allem schwere und fette Gerichte bekömmlicher. Er verhindert Blähungen und regt den Appetit an. Zugleich wirkt er konservierend auf die Lebensmittel, hemmt also den Verderb. Sein leicht bitter-pfeffriger Geschmack ist lecker zu Eintöpfen, zur Gans, Kalbsleber und zum Schweine- oder Hackbraten.

Darreichungsformen von Salbei

Traditionell wird Salbei als Aufguss des getrockneten Krauts, also als Salbeitee oder kräftiger Sud, eingesetzt. Er kann bei verschiedensten Beschwerden getrunken oder zum Gurgeln, als Mundspülung, Kopfdampfbad sowie äußerlich als Einreibung oder für Teil- und Vollbäder genommen werden. Dabei richten sich Menge des Krauts und Ziehzeit nach der jeweiligen Einsatzform.

Inzwischen wird Salbei aber auch in verschiedenen anderen Darreichungsformen angeboten:
Salbei-Kapseln und Salbei-Tabletten etwa werden aus Salbeitrockenextrakt hergestellt und sind in ihren Inhaltsstoffen deutlich höher dosiert als ein Tee. Sie werden allgemein gegen übermäßiges Schwitzen – auch Fußschweiß – empfohlen.

Für die äußerliche Anwendung gibt es Salbei-Cremes, die ebenfalls gegen Schwitzen eingesetzt werden. Salbei-Creme dient zudem der allgemeinen Hautpflege und soll das Hautbild verbessern, Pickel verringern und große Poren verschließen. Auf leicht entzündliche oder gereizte Hautstellen soll die Creme beruhigend wirken. In der Kosmetik gibt es verschiedene weitere Pflegeprodukte, die Salbei enthalten, etwa Deos, Körperlotionen, Duschcremes oder Badezusätze.

Reines, natürliches ätherisches Salbei-Öl, das übrigens niemals unverdünnt angewendet werden darf, ist ein pflegender Zusatz in Voll- oder Teilbädern, die sowohl als Erkältungsbad als auch zur Hautpflege genommen werden können. Aus je 2 Beuteln Ginseng- und Zitronellegrastee und 6 Tropfen ätherischem Salbei-Öl lässt sich ein Gesichtswasser gegen fettige Haut mischen (aus: Annika Lohstroh, Aromatherapie). Wenige Tropfen in einem Glas warmem Wasser ergeben eine Mundspülung.
Bei Halsschmerzen sind außerdem Salbei-Bonbons sehr beliebt, da sie lindernd auf den entzündeten Rachen wirken.

Nebenwirkung von Salbei

Nebenwirkungen bei der Anwendung von Salbei sind im Allgemeinen nur bei einer Überdosierung oder einem Dauergebrauch zu befürchten.

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Tee wird in der Menge von 1-2 Tassen täglich als „gesundheitlich unbedenklich“ eingestuft, und die äußerliche Anwendung gilt als nebenwirkungsfrei. Das in der Pflanze enthaltene Thujon kann jedoch innerlich angewandt in hoher Dosierung zu Schwindel, Krämpfen oder Hitzeausbrüchen führen.

Frauen vor der Menopause sollten Salbeipräparate nur gelegentlich verwenden, da Salbei die Bioverwertbarkeit von Eisen hemmen kann.

Wegen seiner zusammenziehenden Wirkung sollte Salbei generell nicht während der Schwangerschaft angewendet werden. Die Heilpflanze gilt als wehenauslösend und menstruationsfördernd und kann daher möglicherweise eine Fehlgeburt auslösen. In der Stillzeit hemmt sie die Milchbildung.

Wie bei allen pflanzlichen Heilmitteln kann in Einzelfällen eine Überempfindlichkeit oder allergische Reaktion auftreten. Wer bereits allergisch auf andere Lippenblütler (beispielsweise Thymian, Basilikum, Oregano, Pfefferminze, Lavendel oder Ysop) reagiert, sollte die Einnahme mit einer geringen Dosis beginnen.

Wechselwirkungen mit anderen Heilmitteln sind bisher nicht bekannt.


Wichtiger Hinweis

Alle bereitgestellten Informationen auf Naturheilmittel-info.de dienen ausschließlich der Information und ersetzen niemals den medizinischen Rat Ihres Arztes. Bevor Sie Medikamente, Medizinprodukte oder Nahrungsergänzungsmittel einnehmen ist immer ein Arzt zu konsultieren, der über die Wirksamkeit und Wechselwirkung mit anderen Medikamenten Auskunft geben kann. weitere Informationen

Zusammenfassung

  • Salbei beeindruckt durch eine hohe Konzentration ätherischer Öle, Gerbstoffe, Flavonoide und Bitterstoffe. Der gesundheitsfördernde Wert dieser wertvollen Inhaltsstoffe wurde bereits vor Jahrhunderten erkannt und genutzt.
  • Wissenschaftlich erwiesen sind folgende Heilwirkungen von Salbei: Entzündungen im Hals- und Rachenraum, Verdauungsprobleme und übermäßiges Schwitzen. In der Volksmedizin wird die Heilpflanze auch in der Frauenheilkunde, zur Verbesserung der Gedächtnisleistung und bei Hautproblemen genutzt.
  • Gängigste Verwendungsform ist Salbei-Tee (auch in Mischungen mit anderen Heilpflanzen). Es gibt jedoch auch verschiedene Fertigpräparate, etwa Kapseln, Tabletten, Creme und andere kosmetische Darreichungsformen sowie ätherisches Öl.
  • In der Küche ist Salbei ein gerne verwendetes Gewürzkraut, das zahlreichen Speisen nicht nur ein köstliches Aroma verleiht, sondern mit seinen Wirkstoffen auch für eine gute Bekömmlichkeit sorgt.

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Literaturquellen zum Artikel

Stand: 25. März 2014

Ein Gedanke zu “Salbei

  1. Andrea

    Hallo,

    ich habe mit der Wirkung von Salbei nur positive Erfahrung gemacht. Ob als Tee oder Gurgellösung gegen Halsschmerzen – Salbei ist eine sehr vielseitige Pflanze.

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