Niacin

Niacin
Niacin wird auch Vitamin B3 genannt und ist ein wichtiger Baustein im Energiestoffwechsel.

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Der Sammelbegriff Niacin – historisch auch als Vitamin B3 bekannt – umfasst die beiden Substanzen Nicotinsäure und Nicotinamid. Chemisch sehr ähnlich, können sie im Körper ineinander umgewandelt werden und sind damit gleichwertig. Niacin wird in der Leber auch aus der essenziellen Aminosäure Tryptophan synthetisiert – ist also streng genommen kein „echtes“ Vitamin [1].

Nicotinsäure, Nicotinamid – haben diese Verbindungen etwas mit Nikotin zu tun?

Nikotin und Nicotinsäure beziehungsweise Nicotinamid sind chemisch verwandt – wie ihre Namen schon vermuten lassen. Das bedeutet allerdings nicht, dass Nikotin sich als Niacin-Quelle eignet. Dagegen gibt es Hypothesen, denen zufolge Niacin nicht nur die Symptome von Nikotinentzug mildert, sondern auch bei der Therapie anderer Suchterkrankungen hilfreich sein könnte [2]. So sind hohe Dosen von Niacin ein Bestandteil experimenteller Therapien von Alkohol- und Opioid-Abhängigkeit [3].

Funktionsweise im Körper

Die wichtigste Funktion von Niacin ist die als Bestandteil der Coenzyme Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid (NAD) und Nicotinamid-Adenin-Dinukleotidphosphat (NADP), die sich in allen Zellen des Organismus finden. NAD und NADP sind als universale Elektronenüberträger an der Energiegewinnung durch biologische „Verbrennung“ von Zuckern beteiligt. Auch viele andere Abbau- und Synthesevorgänge im Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Fettstoffwechsel sind ohne NAD nicht möglich [1].

Nicotinamid ist darüber hinaus ein wichtiger Regulator im Immunsystem. Es wirkt antientzündlich und kommt insbesondere bei der Behandlung von Hauterkrankungen wie Akne und Schuppenflechte zum Einsatz [4].

Seit über 50 Jahren wird Nicotinsäure in hohen Konzentrationen als Medikament zur Normalisierung der Blutfette angewendet. Nicotinsäure hemmt den Abbau von Fetten im Fettgewebe und senkt so den LDL- („schlechtes“ Cholesterol) und Triglycerid-Spiegel. Weiterhin erhöht es den HDL-Spiegel („gutes“ Cholesterol). So verringert der Vitalstoff das Risiko von Herz- und Gefäßerkrankungen und bremst das Fortschreiten von Arteriosklerose [5].

Täglicher Niacin Bedarf

Bei der Synthese von Niacin in der Leber rechnet man mit einer Ausbeute von 1 mg Niacin pro 60 mg Tryptophan. Der Niacin-Gehalt von Lebensmitteln wird allgemein in Form von Niacin-Äquivalenten angegeben. Dabei ergibt sich der Gehalt an Niacin-Aquivalent aus dem direkten Niacingehalt plus einem Sechzigstel des Tryptophangehalts. Oft spielt der Tryptophangehalt von Lebensmitteln für die Versorgung mit Niacin eine größere Rolle als ihr eigentlicher Niacingehalt [6].

Aufgrund der tragenden Rolle von Niacin im Energiestoffwechsel ist der Bedarf an die Energieaufnahme mit der Nahrung gekoppelt. Als Richtwert gelten 6,6 mg Niacin-Äquivalent pro 1000 kcal pro Tag aufgenommener Nahrungsenergie. Bei 2000 kcal pro Tag entspricht das rund 13 mg, bei 2700 kcal rund 18 mg Niacin-Äquivalent. Das entspricht den Dosen, die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung Frauen und Männern für die tägliche Aufnahme empfiehlt [7].

Therapeutische Dosen von Nicotinsäure zur Cholesterinsenkung liegen in der Größenordnung von 3 bis 6 g pro Tag. Zur Behebung eines Niacinmangels wird Nicotinamid in Dosen zwischen 50 und 250 mg pro Tag gegeben.

Niacinmangel

Klinisch auffälliger Niacinmangel kommt aufgrund des hohen Niacingehalts einer Mischernährung in den Industrieländern sehr selten vor. Chronischer Alkoholismus ist allerdings ein Risikofaktor.

Unterversorgung mit Niacin macht sich zunächst unspezifisch als allgemeine Erschöpfung bemerkbar. Bei ausgeprägtem Mangel treten die sogenannten 3 D’s auf:

  • Dermatitis (raue, besonders lichtempfindliche Haut)
  • Durchfall
  • Demenz (Depressionen, Verwirrtheit, Halluzinationen)

Überdosierung/Nebenwirkungen

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Auch in hohen Dosen ist nichts über eine Toxizität des wasserlöslichen Vitamins bekannt. Als Nebenwirkung hoher Dosen Nicotinsäure können sich die Blutgefäße erweitern, was zu geröteter, juckender und brennender Haut (Flush) führt. Für Nicotinamid sind keine Nebenwirkungen bekannt.

Vorkommen in Lebensmitteln

In Form der Coenzyme NAD und NADP kommt Niacin vor allem in Fleisch und Innereien in größeren Mengen vor. Der Verzehr von 100 Gramm Leber oder 200 g Muskelfleisch oder Fisch deckt den täglichen Bedarf.

Vollkorngetreideprodukte (im Gegensatz zu Weißmehlprodukten) haben zwar einen recht hohen Nicotinsäuregehalt – allerdings in großen Teilen an Makromoleküle gebunden und daher nur zu etwa 30 Prozent bioverfügbar. Hülsenfrüchte (Erbsen rund 2,5 mg pro 100 g), Pilze (Pfifferlinge rund 6,5 mg pro 100 g) und grünes Blattgemüse (Grünkohl rund 2,1 mg pro 100 g) sind gute pflanzliche Niacinquellen. Bohnenkaffee liefert 1 bis 2 mg Niacin pro Tasse.


Wichtiger Hinweis

Alle bereitgestellten Informationen auf Naturheilmittel-info.de dienen ausschließlich der Information und ersetzen niemals den medizinischen Rat Ihres Arztes. Bevor Sie Medikamente, Medizinprodukte oder Nahrungsergänzungsmittel einnehmen ist immer ein Arzt zu konsultieren, der über die Wirksamkeit und Wechselwirkung mit anderen Medikamenten Auskunft geben kann. weitere Informationen

Zusammenfassung

  • Aus Niacin entstehen im Körper die Coenzyme NAD und NADP, die bei der biologischen Verbrennung von Nahrungsstoffen zur Energiegewinnung universale Bedeutung haben.
  • Nicotinamid spielt als Immunregulator in Entzündungsprozessen vor allem der Haut eine Rolle. Nicotinsäure greift in den Fettstoffwechsel ein und normalisiert in hohen Dosen die Blutfette.
  • Die DGE empfiehlt eine tägliche Niacinaufnahme zwischen 13 mg (für Frauen) und 18 mg (für Männer) bei normaler Ernährung. Sonst gilt ein Richtwert von 6,6 mg Niacin pro 1000 kcal. Ein Überschreiten der Dosis ist unproblematisch.

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Literaturquellen zum Artikel

Stand: 8. April 2014

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