Riboflavin

Riboflavin
Riboflavin kommt besonders in Milch und Milchprodukten sowie Ei, Fleisch und Fisch, Blattgemüse, Hülsenfrüchten, Vollkorngetreide, Pilzen und diversen Nüssen vor.

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Riboflavin – Vitamin B2 – ist ein gelb-orange gefärbter Mikronährstoff aus dem B-Komplex, der für Wachstum und Gesundheit eine ähnlich zentrale Rolle spielt wie die Nicotinsäure (Vitamin B3) [1]. Der gelbe Farbstoff wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts aus Milch isoliert. Seine Bedeutung wurde in den 1930er Jahren bewiesen. Damals testete man die Wirkung verschiedener Extrakte aus Hefe, Leber und Reiskleie auf das Gedeihen junger Ratten. Die Forscher stellten fest, dass die Extrakte, die sich als besonders wirksam erwiesen, eines gemeinsam hatten: einen besonders hohen Anteil an dem gelben Farbstoff.

Riboflavin (flavus = gelb) ist das Vitamin, dem Vitamin B-Tabletten ihre gelbe Farbe verdanken. In der Lebensmittelindustrie kommt Riboflavin unter der Bezeichnung E101 auch als Farbstoff zum Einsatz.

Alle Säugetiere sind auf die Aufnahme von Riboflavin angewiesen. Eine gewisse Rolle spielt vermutlich auch die Synthese des Vitamins durch Darmbakterien. Pflanzen und verschiedene Mikroorganismen (zum Beispiel Hefen und Milchsäurebakterien) können den Vitalstoff synthetisieren.

Funktion im Körper

Aus Riboflavin entstehen im Körper die beiden Flavinnukleotide Flavinmononukleotid (FMN) und Flavinadenindinukleotid (FAD). Als zentrale Cofaktoren der Enzymfamilie der Flavoproteine sorgen FMN und FAD für den Ablauf zahlreicher Enzymreaktionen des Energie- und Synthesestoffwechsels rund um Abbau und Synthese von Fetten, Kohlenhydraten und Proteinen [2]. Flavoproteine wirken dabei unter anderem auch mit den Niacin- (Vitamin B3-) abhängigen Coenzymen NAD und NADH zusammen.

Weiterhin gibt es enge Wechselwirkungen mit anderen Vitaminen. Riboflavin ist an der Synthese von Vitamin B3 aus Tryptophan beteiligt, weiterhin an der Transformation von Retinol (Vitamin A) zu Retinoidsäure, der an Wachstums- und Differenzierungsprozessen beteiligten Variante des Vitamins, und an der Umwandlung von Pyridoxin (Vitamin B6) in seine biologisch aktive Form Pyridoxalphosphat [2].

Riboflavin spielt offenbar auch eine Rolle bei der Absorption und biologischen Mobilisierung von Eisen. In Studien mit Labortieren führte Riboflavinmangel zu Eisenmangel [3]. Untersuchungen zeigten weiterhin, dass Riboflavinmangel die Wirksamkeit von Eisenpräparaten bei der Behandlung einer Anämie beeinträchtigt [4].

Die normale Entwicklung des Verdauungstraktes von jungen Laborratten hängt kritisch von der Präsenz von Riboflavin in einem bestimmten Zeitfenster ab [5]. Das erlaubt die Vermutung, dass mit Riboflavinmangel zusammenhängende unspezifische Gedeihstörungen unter anderem auch auf einen unzulänglich entwickelten Verdauungstrakt zurückzuführen sind.

Neuropathien und Störungen der Entwicklung des Nervensystems werden in Laborexperimenten ebenfalls mit Riboflavinmangel in Verbindung gebracht. In diesem Zusammenhang ist auch interessant, dass Riboflavingabe offenbar Migräneanfällen vorbeugt [6].

Riboflavin wirkt weiterhin als effektives Antioxidans und schützt so beispielsweise vor Katarakten (Grauer Star) [7]. Hinweise gibt es auch auf eine Schutzwirkung vor Arteriosklerose [8]. Zusammen mit Folsäure (Vitamin B6) und Cobalamin (Vitamin B12) reguliert Riboflavin den Blutspiegel der Aminosäure Homocystein, die als wichtiger Marker für das Risiko von Herz- und Gefäßerkrankungen gilt [9].

Täglicher Bedarf

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Frauen und Männern eine tägliche Aufnahme von 1,2 mg beziehungsweise 1,5 mg. Dem erhöhten Bedarf von Schwangeren und Stillenden wird durch die Empfehlung einer Tagesdosis von 1,5 mg beziehungsweise 1,6 mg
Rechnung getragen [10].

Es gibt kaum interne Speicher für das Vitamin – das heißt, Riboflavin, das nicht in Form von Flavinnukleotiden an Enzyme gebunden ist, wird relativ schnell mit dem Urin ausgeschieden [11]. Das bedeutet wiederum, dass der Organismus auf einen Mangel des Vitamins in der Nahrung bereits nach wenigen Tagen empfindlich reagiert.

Zur Vorbeugung von Migräneanfällen sind Tagesdosen von 400 mg Riboflavin getestet worden [6]. Ob diese Mengen tatsächlich absorbiert werden können, erscheint fraglich, da die Aufnahmekapazität der Dünndarmschleimhaut nur etwa 30 mg pro Einzeldosis beträgt [11].

Mangel

Riboflavinmangel ist in wohlhabenden Ländern selten. Auch Veganer können ihren Bedarf durch Vollkorngetreide und Blattgemüse relativ gut decken. Mangelerscheinungen treten am ehesten bei Schwangeren und Stillenden (infolge von Abzweigung durch den Fetus beziehungsweise Anreicherung in der Muttermilch) auf. Gestörte Nährstoffaufnahme im Darm kann auch bei Alkoholikern zu Riboflavinmangel führen.

Riboflavinmangel geht gewöhnlich mit einem Mangel anderer Vitamine einher. Leichte Mangelerscheinungen sind eher unspezifisch und umfassen verschiedene Haut- und Schleimhautsymptome wie trockene, aufgesprungene Lippen, eingerissene Mundwinkel, Entzündungen der Mundschleimhaut sowie Anämie. Ein schwerer Riboflavinmangel, der allerdings aufgrund des Riboflavingehalts der meisten Nahrungsmittel nur bei Labortieren künstlich erzeugt werden kann, führt schnell zum Tod.

Eine Unterversorgung mit Riboflavin ohne unmittelbare klinische Symptome ist dagegen nicht selten – Jugendliche [12], Schwangere und Stillende [13] sowie ältere Menschen [14] sind besonders häufig betroffen.

Überdosierung

Eine Überdosierung ist kaum möglich, da die Aufnahmekapazität begrenzt ist und Riboflavin schnell mit dem Urin ausgeschieden wird. Selbst für Dosen, die mehr als das Hundertfache des Tagesbedarfs betragen, sind keinerlei negative Auswirkungen bekannt geworden [6].

Vorkommen in Lebensmitteln

Riboflavin kommt besonders in Milch und Milchprodukten, Ei, Fleisch und Fisch, Blattgemüse, Hülsenfrüchten, Vollkorngetreide, Pilzen und diversen Nüssen vor. Den höchsten Gehalt hat – wieder einmal – Leber. Kleine Mengen Riboflavin sind in den meisten Lebensmitteln vorhanden. Um den Tagesbedarf zuverlässig zu decken, muss man aber schon beispielsweise ein Glas Milch, 200 g Fisch und 200 g Broccoli zu sich nehmen.

Riboflavin ist hitzetolerant, aber lichtempfindlich und löst sich relativ schlecht in Wasser.


Wichtiger Hinweis

Alle bereitgestellten Informationen auf Naturheilmittel-info.de dienen ausschließlich der Information und ersetzen niemals den medizinischen Rat Ihres Arztes. Bevor Sie Medikamente, Medizinprodukte oder Nahrungsergänzungsmittel einnehmen ist immer ein Arzt zu konsultieren, der über die Wirksamkeit und Wechselwirkung mit anderen Medikamenten Auskunft geben kann. weitere Informationen

Zusammenfassung

  • Riboflavin spielt als Cofaktor der Flavoproteine eine essenzielle Rolle in vielen universalen Reaktionen des Energie- und Synthesestoffwechsels - und damit für Wachstum und allgemeine Gesundheit.
  • Im Körper gibt es enge Funktionszusammenhänge mit anderen Vitamine des B-Komplexes (B3, B6, B12) sowie mit Vitamin A.
  • Die DGE empfiehlt täglich 1,2 bis 1,5 mg Riboflavin. Bei der Supplementierung kann problemlos höher dosiert werden.

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Literaturquellen zum Artikel

  • [1] Riboflavin (vitamin B-2) and health. H.J.Powers. Am J Clin Nutr. 77 (2003)
  • [2] Handbook of Vitamins. R.B.Rucker et al. CRC Press Inc. (2007)
  • [3] NADH: FMN oxidoreductase activity and iron content of organs from riboflavin and iron deficient rats. S.Sirivech. J Nutr 107 (1977)
  • [4] The relative effectiveness of iron and iron with riboflavin in correcting a microcytic anaemia in men and children in rural Gambia. H.J.Powers, C.J.Bates et al. Hum Nutr Clin Nutr. 37 (1983)
  • [5] Riboflavin deficiency: early effects on post weaning development of the duodenum in rats. C.A.Yates, G.S.Evans, H.J.Powers. Br J Nutr 86 (2001)
  • [6] High-dose riboflavin treatment is efficacious in migraine prophylaxis: an open study in a tertiary care centre. C.Boehnke, U.Reuter et al. Eur J Neurol. 11 (2004)
  • [7] The Linxian cataract studies. Two nutrition intervention trials. R.D.Sperduto, T.S.Hu et al. Arch Opthalmol 111 (1993)
  • [8] Mycocardial flavin reductase and riboflavin: a potential role in decreasing reoxygenation injury. C.Mack, D.E.Hulquist, M.Shlafer. Biochem Biophys Res Commun 212 (1995)
  • [9] Determinants of plasma homocysteine concentration in the Framingham Offspring cohort. P.F.Jacques et al. Am J Clin Nutr 73 (2001)
  • [10] Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Deutsche Gesellschaft f. Ernährung (DGE), ÖGE, SGE, Schweizerische Vereinigung f. Ernährung (Herausgeber). Umschau Buchverlag (2013)
  • [11] Pharmacokinetics of orally and intravenously administered riboflavin in healthy humans. J.Zempleni, J.R.Galloway, D.B.McCormick. Am J Clin Nutr 63 (1996)
  • [12] National Diet and Nutrition Survey of young people aged 4–18 years. J.Gregory, S.Lowe. London: The Stationery Office, 2000
  • [13] Riboflavin status during pregnancy. S.C.Vir, A.H.Love, W.Thompson. Am J Clin Nutr. 34 (1981)
  • [14] Riboflavin and vitamin B6 intakes and status and biochemical response to riboflavin supplementation in free living elderly people. S.M.Madigan. Am J Clin Nutr 68 (1998)

Stand: 4. Mai 2014

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