Vitamin B6

Vitamin B6

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Vitamin B6 ist eins der wasserlöslichen Vitamine der B-Gruppe. In der Nahrung kommt der Vitalstoff in drei chemisch etwas unterschiedlichen, aber für den Körper gleich wertvollen Formen vor:

  • Pyridoxin
  • Pyridoxal
  • Pyridoxamin

Alle drei werden in der Leber in die bioaktive Form Pyridoxalphosphat umgewandelt. Als Pyridoxalphosphat ist Vitamin B6 ein wichtiger Hilfsstoff im Stoffwechsel. Es wird als sogenanntes Coenzym von über 140 verschiedenen Enzymen gebunden [1]. Bei den durch diese Enzyme katalysierten chemischen Umwandlungen funktioniert Vitamin B6 als Überträger bestimmter kleiner chemischer Gruppen (häufig der für Aminosäuren typischen Aminogruppe) zwischen zwei Stoffwechselprodukten.

Noch im frühen 20. Jahrhundert meinte man (begünstigt durch den Umstand, das die acht Vitamine des B-Komplexes in Nahrungsmitteln oft gemeinsam auftreten), es gäbe nur ein einziges B-Vitamin. Wachstums- und Entwicklungsstörungen, Anämie und eine Pellagra genannte Hauterkrankung wurden als charakteristisch für einen Mangel des hypothetischen B-Vitamins angesehen. Bald erwies sich, dass es sich tatsächlich um einen Komplex aus mehreren, chemisch sogar sehr unterschiedlichen Vitalstoffen handelte.

Vitamin B6 wurde 1932 von einem japanischen Wissenschaftler erstmals aus Reiskleie isoliert, seine chemische Struktur wurde in den folgenden Jahren aufgeklärt [2].

Vitamin B6 wird nur von Bakterien synthetisiert, Menschen und die meisten Tiere sind auf die Aufnahme mit der Nahrung angewiesen. Nicht nur für Wiederkäuer scheint auch die Produktion von Pyridoxin durch Darmbakterien eine wichtige Rolle zu spielen [3].

Funktionsweise im Körper

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Sehr viele der chemischen Umwandlungen, an denen Vitamin B6 teilnimmt, haben mit Synthese, Abbau und Umwandlung von Aminosäuren zu tun. Als Coenzym der sogenannten Transaminasen schlägt Pyridoxalphosphat die Brücke zwischen Zuckerstoffwechsel und Aminosäurestoffwechsel. Durch Anbau einer Aminogruppe entstehen aus Abbauprodukten von Zuckern verschiedene Aminosäuren. In der Umkehrung dieser Schritte lässt sich aus Aminosäuren wiederum Glucose gewinnen [1,2].

Nur mit Hilfe von Vitamin B6 lassen sich mit der Nahrung aufgenommene Aminosäuren in andere Aminosäuren umwandeln – oder aber direkt zur Energiegewinnung nutzen. Nur mit Hilfe des Vitalstoffs können Aminosäuren aus Zuckerabbauprodukten synthetisiert werden. Das hat dem Schlüsselvitamin im Aminosäurestoffwechsel auch den Namen „Muskelaufbau-Vitamin“ eingebracht: Kraftsportler unterstützen den Umbau ihrer Proteinshakes in Muskelgewebe gern durch eine Supplementierung mit Vitamin B6.

Pyridoxalphosphat ist auch ein Coenzym des Enzyms Glycogen-Phosporylase, das Glucose aus Glycogen – der Speicherform des Zell-„Brennstoffs“ in Leber und Muskeln – freisetzt. Vitamin B6 spielt weiterhin bei der Bildung von Häm – dem zentralen, Sauerstoff bindenden Bestandteil des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin – eine Rolle [1,2]. Auch Energie und Leistungsfähigkeit sind also eng mit Vitamin B6 verknüpft.

Aus der Aminosäure Histidin entsteht unter Mitwirkung von Vitamin B6 der Botenstoff Histamin, der im Immunsystem eine wichtige Rolle spielt. Außerdem ist Vitamin B6 an Synthesevorgängen beteiligt, die die Bausteine für DNA und RNA bereitstellen [4]. Hier wird eine weitere Ursache für den Effekt von Vitamin B6 auf das Immunsystem gesehen: Ein B6-Mangel verringert die Anzahl von Immunzellen und Antikörpern, die im Zuge der Immunantwort freigesetzt werden können [5]. Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B6 hält den Homocystein-Spiegel im Blut niedrig [6]: Erhöhte Homocysteinwerte gelten als Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen und Demenz.

Vitamin B6 ist als Coenzym ferner an der Synthese wichtiger Neurotransmitter (unter anderem Serotonin und Dopamin) sowie an der Myelinsynthese [7] beteiligt. Ein Mangel des Vitamins kann zu neurologischen Störungen führen [1,2].

Aber Vitamin B6 ist nicht nur als Coenzym aktiv, sondern offenbar auch als Regulator von Hormonen. So beeinflusst Pyridoxalphosphat die Wirkung von Steroidhormonen (zum Beispiel Testosteron und Estrogen) auf verschiedene Körperzellen – beobachtet wurde eine erhöhte Empfindlichkeit der Zellen für diese Hormone bei niedrigem Vitamin B6-Spiegel [8].

Täglicher Bedarf

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Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen die tägliche Aufnahme von 1,2 bis 1,6 mg Vitamin B6 pro Tag [9]. Der Bedarf ist von der Proteinaufnahme abhängig. Bei besonders proteinreicher Ernährung gelten 0,02 mg Vitamin B6 pro Gramm Protein als Richtwert für die Zufuhr [10]. Dosen von einigen Milligramm pro Tag sind unbedenklich und können gerade bei älteren Menschen gesundheitsfördernd sein [5].

Vitamin B6 Mangel

Vitamin B6-Mangel führt unter anderem zu herabgesetzter Eiweiß-, Myelin-, Neurotransmitter- und Hämoglobinsynthese. Klinische Mangelsymptome sind Muskelschwund, Anämie, Immunschwäche, Hautsymptome sowie Neuropathien und neurologische Symptome. Deutliche Mangelerscheinungen sind allerdings in den westlichen Ländern selten – sie treten erst bei geringerer Zufuhr als 0,5 mg Vitamin B6 pro Tag auf [11].

Überdosierung/Nebenwirkungen

Eine Überdosierung des Vitamins durch Supplementierung ist möglich, wenn längerfristig mehr als 500 mg täglich aufgenommen werden (solche Dosen sind über die Nahrung nicht zu erreichen). Als Symptome treten sensorische Neuropathien mit Gangstörungen und Irritationen des Tast- und Temperatursinnes auf, weiterhin Hautsymptome wie erhöhte Lichtempfindlichkeit und schmerzhafte Läsionen [12]. Diese Erscheinungen sind weitestgehend reversibel, sobald die Supplementierung beendet wird.

Vorkommen in Lebensmitteln

Vitamin B6 kommt in sehr vielen Lebensmitteln vor – einen ausgesprochenen Mangel entwickelt man daher zum Glück nicht so schnell. Besonders gute Quellen sind Walnüsse, Hülsenfrüchte, Avocados, Bananen, Vollkornprodukte sowie Leber, Geflügelfleisch und Milchprodukte.


Wichtiger Hinweis

Alle bereitgestellten Informationen auf Naturheilmittel-info.de dienen ausschließlich der Information und ersetzen niemals den medizinischen Rat Ihres Arztes. Bevor Sie Medikamente, Medizinprodukte oder Nahrungsergänzungsmittel einnehmen ist immer ein Arzt zu konsultieren, der über die Wirksamkeit und Wechselwirkung mit anderen Medikamenten Auskunft geben kann. weitere Informationen

Zusammenfassung

  • Vitamin B6 baut auf und gibt Energie: Es ist unverzichtbar im Aminosäurestoffwechsel, für die Energiegewinnung aus Glycogen und Eiweißen und für die Synthese des roten Blutfarbstoffs.
  • Das Vitamin spielt in hunderten weiterer Stoffwechselvorgänge eine Rolle. Es beeinflusst Nervensystem, Immunsystem und DNA-Synthese und reguliert die Wirkung von Steroidhormonen.
  • Die DGE empfiehlt täglich etwa 1,5 mg Vitamin B6. Ernsthafte Mangelerscheinungen sind selten. Zusätzliche Supplementierung unterstützt Muskelaufbau und Leistungsfähigkeit und könnte vorbeugend gegen Arteriosklerose und Demenz wirken.

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Literaturquellen zum Artikel

Stand: 1. April 2014

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