Vitamin C

Vitamin C

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Das „Anti-Skorbut“-Vitamin war eine der ersten für den Menschen essenziellen organischen Verbindungen, die Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt und identifiziert wurden. Und bis heute ist die L-Ascorbinsäure, so der wissenschaftliche Name für Vitamin C, für viele einfach das Vitamin schlechthin.

Interessanterweise resultiert die Unfähigkeit, Ascorbinsäure selbst zu produzieren, aus einer Mutation, die Menschen nur mit einigen Affenarten und Meerschweinchen teilen – alle anderen Säugetiere synthetisieren den Vitalstoff aus Glucose – und zwar in erheblichen Mengen.

In der von Chemienobelpreisträger Linus Pauling seit den 1970er Jahren propagierten orthomolekularen Medizin spielen extrem hohe Dosen von Vitamin C eine Rolle bei der Tumorprophylaxe und Infektionsabwehr [1]. Der Nutzen der Megadosen gilt jedoch heute in Medizinerkreisen als teilweise zweifelhaft.

Funktion im Körper

Vitamin C wirkt als Cofaktor von insgesamt acht verschiedenen Enzymen, die bei der Synthese des Bindegewebsproteins Kollagen, des Fettsäuretransporters Carnitin (wichtig für die Energieversorgung von Muskelzellen), von Hormonen und Neurotransmittern eine Rolle spielen. Die uns höchstens aus historischen Seefahrerromanen bekannten Zahnfleischsymptome der Vitamin C-Mangelkrankheit Skorbut sind vor allem auf den auftretenden Kollagenmangel zurückzuführen.

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Auf der Wirkung von Vitamin C als Antioxidans (auch bekannt unter der Bezeichnung „Radikalenfänger“) fußt die „viel hilft viel“-Hypothese der orthomolekularen Medizin [1]. Ascorbinsäure bindet und neutralisiert aggressive Sauerstoffradikale, die bei normalen Stoffwechselvorgängen ebenso entstehen können wie beispielsweise durch UV-Licht oder radioaktive Strahlung. So wird verhindert, dass diese Radikale DNA, Proteine oder Lipide angreifen und Erbinformation oder Zellstrukturen schädigen.

Belastung durch freie Sauerstoffradikale (der sogenannte oxidative Stress) steht in enger Verbindung mit Alterungsprozessen und Zivilisationsleiden wie Bluthochdruck, Gefäßschäden, erhöhten Blutzucker- und Blutfettwerten, Tumorerkrankungen [2] und Entzündungsprozessen wie Makuladegeneration [3] oder Parodontitis [4]. Ob eine Supplementierung mit Vitamin C allein ausreicht, um oxidativen Stress zu verhindern, ist heute umstritten [5].

Auch die stärkende Wirkung des Vitamins auf die körpereigene Abwehr ist in aller Munde. Welche genaue Rolle Vitamin C in Immunzellen spielt, ist in Wahrheit weitgehend ungeklärt [6]. Sicher ist immerhin, dass Immunzellen hohe Konzentrationen von Ascorbinsäure enthalten, die im Verlauf einer Infektion rapide sinken und bei Vitamin C-Supplementierung schnell wieder ansteigen.

Die von der orthomolekularen Medizin vermuteten positiven Effekte einer Mega-Dosierung des Vitamins konnten bis heute nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Viele Studien älteren und neueren Datums untersuchten den Zusammenhang zwischen hohen Vitamin C-Dosen auf das Risiko von Tumorerkrankungen ebenso wie auf Häufigkeit und Schwere von Virusinfektionen – mit recht gemischten Resultaten [5].

Täglicher Bedarf

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt die tägliche Aufnahme von 100 mg Vitamin C [7]. Diese Menge deckt den Bedarf, der aus der Kollagensynthese und den anderen Aufgaben von Vitamin C als Coenzym resultiert.

Bei der Supplementierung sind Dosen von 1 oder 2 g täglich üblich – in der Hoffnung, dass Vitamin C in diesen Mengen abwehrstärkend und antioxidativ wirkt [5]. Durch orale Aufnahme des Vitamins ist allerdings nur eine recht eingeschränkte Erhöhung der Konzentration in Blut und Gewebe zu erreichen: Ascorbinsäure wird vom Darm relativ schlecht absorbiert und mit dem Urin schnell wieder ausgeschieden. So wird der Sinn höherer Dosen oft angezweifelt – der für eine effektive Wirkung als Antioxidans nötige Serumspiegel kann bei oraler Gabe kaum erreicht werden [8].

Mangel

Wird über lange Zeit weniger als 10 mg Ascorbinsäure täglich aufgenommen, führt das zu Skorbut. Zu den Symptomen dieser Mangelkrankheit gehören neben den typischen Zahnfleischentzündungen andere Zeichen von Bindegewebsschwäche wie Hauteinblutungen und schlechte Wundheilung, weiterhin Müdigkeit und Muskelschwäche, verringerte Infektabwehr und Depressionen.

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Akuter Vitamin C-Mangel kommt in den entwickelten Ländern so gut wie nicht mehr vor. Grenzwertige Unterversorgung dagegen ist nicht selten und wird insbesondere von der orthomolekularen Medizin als Mitverursacher vieler Zivilisationsleiden gewertet [5]. Rauchen, Krankheiten (beide wirken Vitamin C-zehrend) und ungesunde Ernährungsgewohnheiten sind hier die wichtigsten Risikofaktoren.

Überdosierung

Eine Überdosierung mit Vitamin C auf oralem Wege ist kaum möglich. Es gibt allerdings Hinweise auf ein erhöhtes Nierenstein-Risiko bei langfristiger Supplementierung [9].

Vorkommen in Lebensmitteln

Frische Früchte und Gemüse sind die besten Vitamin C-Quellen. Reich an Ascorbinsäure oder Ascorbat sind nach Sanddorn und Hagebutten zum Beispiel Zitrusfrüchte, viele Beerenarten, Petersilie, Paprika, Spinat und verschiedene Kohlsorten. Mit 200 bis 300 g Rohkost täglich lässt sich der normale Vitamin C-Bedarf eines Erwachsenen problemlos decken.


Wichtiger Hinweis

Alle bereitgestellten Informationen auf Naturheilmittel-info.de dienen ausschließlich der Information und ersetzen niemals den medizinischen Rat Ihres Arztes. Bevor Sie Medikamente, Medizinprodukte oder Nahrungsergänzungsmittel einnehmen ist immer ein Arzt zu konsultieren, der über die Wirksamkeit und Wechselwirkung mit anderen Medikamenten Auskunft geben kann. weitere Informationen

Zusammenfassung

  • Vitamin C ist als Coenzym unter anderem für gesundes Bindegewebe verantwortlich.
  • Als Antioxidans und Immunbooster spielt es eine wichtige Rolle in der körpereigenen Abwehr. Dass orale Supplementierung eine zusätzliche Schutzfunktion hat, galt bis vor einiger Zeit als sicher, ist jedoch heute wieder recht umstritten.
  • Die DGE empfiehlt täglich 100 mg Vitamin C, zehnfach höhere Dosen sind in der Supplementierung nicht unüblich.

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Literaturquellen zum Artikel

  • [1] Evolution and the need for ascorbic acid. L.Pauling Proc. nat. Acad. Sci. (Wash.) 67 (1970)
  • [2] The oxidative hypothesis of senescence. M.Gilcaet al. J Postgrad Med. 53 (2007)
  • [3] Oxidative Stress, Hypoxia, and Autophagy in the Neovascular Processes of Age-Related Macular Degeneration. J.Blasiak et al. Biomed Res Int. 2014 (2014)
  • [4] Oxidative stress in diabetes and periodontitis. J.C.Sardi. N Am J Med Sci. 5 (2013)
  • [5] New developments and novel therapeutic perspectives for vitamin C. Y.Li, H.E.Schellhorn. J Nutr 137 (2007)
  • [6] Nutrients and their role in host resistance to infection. C.J.Fieldet al. J Leukoc Biol. 71 (2002)
  • [7] Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Deutsche Gesellschaft f. Ernährung (DGE), ÖGE, SGE, Schweizerische Vereinigung f. Ernährung (Herausgeber)
  • [8] Vitamin C pharmacokinetics: implications for oral and intravenous use. S.J.Padayatty et al. Ann Intern Med. 140 (2004)
  • [9] Ascorbate increases human oxaluria and kidney stone risk. L.K.Masseyet al. J Nutr. 135 (2005)

Stand: 17. April 2014

Wissenswertes rund um Vitamin C

Wussten Sie schon das die Hagebutte deutlich mehr Vitamin C hat als eine Orange? Auf 100g hat die Hagebutte 1250 mg und die Orange 50 mg.

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