Hagebutte

Hagebutte
Die Hagebutte ist eine sehr vitaminreiche Pflanze und ist daher eine sehr beliebte Heilpflanze zur inneren und äußeren Anwendung.

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Die Hagebutte wird wegen ihres enormen Vitamin C-Gehaltes auch als „Zitrone des Nordens“ bezeichnet. Sie gilt in der Überlieferung sozusagen als therapeutische Allzweckwaffe, wenn es um Infektionsabwehr und Steigerung der Abwehrkräfte geht. In der Volksheilkunde spielt sie auch bei einer Reihe anderer Beschwerden eine Rolle, da sie nicht nur reichlich Vitamin C enthält, sondern mit weiteren wertvollen Inhaltsstoffen punkten kann.

Pflanzenprofil

Die leuchtend rot-orangen Hagebutten sind die „Früchte“ der Hecken- oder Hundsrose, botanisch Rosa canina. „Rosa“ weist dabei auf die Zugehörigkeit zur Gattung der Rosengewächse hin. „Canina“ ist abgeleitet von „Hund“ oder „hundsgemein“ und lässt erkennen, dass der stachelige, bis zu drei Meter hohe Strauch weit verbreitet ist und praktisch überall wächst. Im Sommer schenkt die Heckenrose uns herrlich rosafarbene Blüten mit intensivem Duft, bevor im Herbst die Hagebutten am Strauch leuchten.
„Früchte“ sind die Hagebutten allerdings nicht. Diese sitzen nämlich im Inneren der Hagebutte und werden als Nüsschen bezeichnet. Sie sind umgeben von kleinen Borsten, die von Kindern gerne als Juckpulver eingesetzt werden, da sie die Haut stark reizen. Zu medizinischen Zwecken werden in erster Linie die saftigen Schalen der Hagebutte verwendet. Sie werden im Herbst geerntet, wenn ihre Farbe kräftig ist, die Schale auf Fingerdruck nachgibt und sie leicht vom Strauch zu lösen sind.

Inhaltsstoffe & Wirkstoffe

Wirft man einen Blick in das Innenleben der Hagebutte, so beeindruckt vor allem der extrem hohe Vitamin C-Gehalt. Mit 500 mg bis 1.500 mg je 100 g verzehrfertige Menge ist sie nicht nur absoluter Spitzenreiter der einheimischen Pflanzen, sondern liegt auch weit vor fast allen anderen Pflanzen und Früchten. Zum Vergleich: Das Arzneibuch fordert einen Vitamin C-Gehalt von mindestens 0,3 Prozent bezogen auf die getrocknete Droge. Bei Hagebutten liegt der Prozentsatz bei bis zu 1,7 Prozent! Dennoch hat die Kommission E die Wirkung der Hagebutte als nicht ausreichend belegt eingestuft (1). Begründet wurde das insbesondere damit, dass der Vitamin C-Gehalt der Droge schnell abnehmen kann und ein konstanter Anteil somit nicht gesichert ist.

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Doch die Hagebutte hat ja noch weitere Inhaltsstoffe, die sie zur kompakten Vitalstoffbombe machen. Hervorzuheben ist ein beachtlicher Anteil an Lycopin, einem carotinoiden Farbstoff, der auch aus der Tomate und anderen roten Früchten und Gemüsen bekannt ist. Es zählt zu den Antioxidanzien, die schädliche Zellprozesse hemmen können. Der Vitamin B-Gehalt der Hagebutte (B1 Thiamin und B2 Riboflavin) sorgt für Energie, Vitamin K für feste Knochen, und Niacin sorgt für einen reibungslosen Stoffwechsel. Weitere Inhalte sind Ballaststoffe, Mineralstoffe, Flavonoide, Gerbstoffe, organische Säuren, und Pektine.

Aufgrund dieses Wirkstoffpaketes werden der Hagebutte in der Volksheilkunde eine Reihe von Wirkungen zugeschrieben: abwehrsteigernd, harntreibend, moderat abführend, wundheilend und austrocknend. Als traditionelle Einsatzgebiete gelten Erkältungskrankheiten (auch mit Fieber), Vitamin C-Mangel, Schwächezustände nach durchstandener Krankheit oder nach Diäten, Darmträgheit, Harnweginfektionen und schlecht verheilende Wunden (auch im Mundraum). Gegen Appetitlosigkeit soll Hagebuttenmarmelade helfen.

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Schon seit geraumer Zeit befassen sich Studien in Dänemark, Italien und Deutschland mit einem speziellen Inhaltsstoff der Hagebutte, einem Galaktolipid aus Fettsäuren und einer Zuckerart. Diesem Inhaltsstoff werden effektive schmerzlindernde Wirkungen bei Arthrose und Rückenschmerzen nachgesagt. Zusammenfassungen der ersten Forschungsergebnisse liefern die Pharmazeutische Zeitung 2007 (2) und die Zeitung für Phytotherapie 2009 (3). Unter Leitung der deutschen Medizinerin Prof. Dr. med. Sigrun Chrubasik (Ärztin für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren und spezielle Schmerztherapie) wurde am Institut für Rechtsmedizin der Universität Freiburg ebenfalls an dieser Frage geforscht und sehr positive Ergebnisse erzielt (4). Die international geschätzte Professorin wurde für ihre Forschungen mit dem NATUM-Forschungspreis Komplementärmedizin 2013 ausgezeichnet.

Es lässt sich also feststellen, dass die Hagebutte reich an wertvollen Biostoffen ist und vielfältige positive Einflüsse auf die Gesundheit nehmen kann.

Anwendungsgebiete

Schon seit Jahrhunderten sind Hagebutten in der Volksheilkunde bekannt. Der griechische Arzt Dioskurides (1. Jh.) verabreichte die getrockneten Hagebutten gegen Darmkatarrh, der deutsche Arzt Hieronymus Bock (15. Jh.) wies auf eine stopfende Wirkung hin, der italienische Arzt Mattioli (16. Jh.) verwendete die Früchte („Kerne“) gegen Steinleiden. Schon Hildegard von Bingen(11. Jh.) gab Tee aus Hagebuttenschalen bei Fieber und Infektionen und begründete damit die noch heute gebräuchlichste Anwendung. Traditionell werden Hagebutten nämlich wegen ihres hohen Vitamin C-Gehaltes zur Infektionsabwehr eingesetzt. Auch zur allgemeinen Stärkung von Rekonvaleszenten nach längerer Erkrankung gilt Hagebutte als guter Begleiter.

Überliefert und in der Naturheilkunde genutzt sind jedoch auch Anwendungsgebiete wie Harnwegbeschwerden (harntreibende Wirkung). Die ausscheidungsfördernde Wirkung wird auch im Rahmen von Entschlackungskuren genutzt. Weiterhin gilt die Förderung der Wundheilung, auch bei Zahnfleischbluten und Parodontose, als traditionelles Anwendungsgebiet. Die reichlich enthaltenen Ballaststoffe haben eine ausgleichende Wirkung auf die Darmtätigkeit, daher wird der Hagebutte ein Einfluss auf die Verdauung sowohl bei leichter Verstopfung als auch bei Durchfall sowie bei Übelkeit und Magenkrämpfen zugesprochen.

Alle genannten Anwendungsgebiete sind jedoch nicht wissenschaftlich belegt, sondern beruhen auf altem, überliefertem Erfahrungswissen.

Studien der vergangenen Jahre lassen allerdings darauf schließen, dass es eine gesicherte Wirkung bei Arthrose (Knie- und Hüftarthrose) und bei Rückenschmerzen gibt. Weitere Studien hierzu sollen die Ergebnisse absichern.

Übrigens sind Hagebutten nicht nur für die Naturheilkunde interessant – sie sind auch ein leckeres Lebensmittel! Nach gründlichem Entfernen der Nüsschen und Borsten können die reifen Hagebutten roh genossen werden, sie schmecken dann säuerlich-süß. Häufiger ist aber die Weiterverarbeitung zu Marmelade, Sirup, Fruchtwein oder Likör. Sie bereichern Soßen zu Wildgerichten und Chutneys. In Schweden wird gerne eine süße Hagebuttensuppe gegessen. Am bekanntesten ist aber wohl der Hagebuttentee als schmackhaftes Getränk, oft in Kombination mit Malve und Hibiskus.

Darreichungsformen

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Der Hagebuttentee ist es auch, der in den meisten Fällen Anwendung findet, wenn es um die Gesundheit geht. Zwar ist er überall im Lebensmittelhandel zu kaufen, einen besonders hohen Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen haben jedoch getrocknete Früchte aus der Apotheke, da der Bestand dort regelmäßig auf Frische kontrolliert werden muss. Natürlich lassen sich die Hagebuttenschalen für den Tee auch selbst herstellen: Die reifen Früchte werden entkernt und bei maximal 40 Grad Celsius vorsichtig im Backofen getrocknet. Für den Aufguss übergießt man eine Handvoll Schalen mit 1 Liter kochendem Wasser und lässt sie ca. 10 Minuten ziehen, bevor man sie abseiht.

Aus Hagebuttenschalen lässt sich zudem ein Sirup kochen, der die Abwehrkräfte steigern soll, wenn jeden Tag 2 EL davon genommen werden. Die frischen Schalen eignen sich auch hervorragend für den Einsatz in der Küche.

Als Nahrungsergänzungsmittel gibt es Hagebutten-Pulver oder -Kapseln. Während die Kapseln einfach nach Packungsangabe eingenommen werden, kann das Pulver in Saft oder Joghurt eingerührt werden. Hagebutten-Kapseln und Hagebutten-Pulver dienen nicht nur der Stärkung des Immunsystems, sondern werden neuerdings auch therapiebegleitend in der Schmerztherapie eingesetzt.

Hagebuttenkernöl (auch als Wildrosenöl bezeichnet) wird aus den Samen einer der Heckenrose verwandten Wildrosenart gewonnen. Es hat einen hohen Anteil an alpha-Linolensäure und wird vor allem in Kosmetikprodukten zur Pflege trockener oder entzündlicher Haut eingesetzt. Raffiniertes Hagebuttenkernöl kann zusammen mit anderen Ölen zu einem pflegenden Körperöl gemischt werden.

Nebenwirkungen

Hagebutten sind ungiftig. Nebenwirkungen bei Hagebuttentee, -sirup oder Marmelade sind nicht bekannt. Bei Hagebuttenpulver wird vorsorglich der Hinweis gegeben, die empfohlene Tagesdosis nicht zu überschreiten. Hagebuttenpulver wird als Nahrungsergänzungsmittel verkauft.

Allgemein gilt der Hinweis, bei Verwendung hochdosierter Pflanzenpulver und gleichzeitiger Medikamenteneinnahme den Arzt auf mögliche Wechselwirkungen zu befragen. Gegebenenfalls können die therapeutisch wirksamen Mengen pflanzlichen Pulvers die Wirkung von bestimmten Arzneimitteln beeinflussen.

Prinzipiell kann jedes pflanzliche Präparat eine Überempfindlichkeitsreaktion auslösen. Vorsicht ist geboten, wenn bereits eine Empfindlichkeit oder Allergie auf andere Pflanzen aus der Familie der Rosengewächse bekannt ist. Dazu gehören beispielsweise Mandeln und praktisch das gesamte Beerenobst.

Ein regelmäßiger Wechsel der verwendeten Heilpflanzen schließt Schädigungen durch Dauergenuss aus.


Wichtiger Hinweis

Alle bereitgestellten Informationen auf Naturheilmittel-info.de dienen ausschließlich der Information und ersetzen niemals den medizinischen Rat Ihres Arztes. Bevor Sie Medikamente, Medizinprodukte oder Nahrungsergänzungsmittel einnehmen ist immer ein Arzt zu konsultieren, der über die Wirksamkeit und Wechselwirkung mit anderen Medikamenten Auskunft geben kann. weitere Informationen

Zusammenfassung

  • Hagebutten liefern eine Extraportion Vitamin C und werden zur Infektionsabwehr und Stärkung des Immunsystems eingesetzt. Der Körper kann das Vitamin über Tee, Pulver, Kapseln, Sirup oder die gekochte Frucht aufnehmen.
  • Traditionell werden Hagebutten auch bei Harnwegbeschwerden, zur Regulierung der Darmtätigkeit und zur Wundheilung verwendet. Die Anwendung beruht auf Überlieferung und ist wissenschaftlich nicht belegt.
  • Neuere Studien zeigen eine gute Wirksamkeit auch bei Arthrose und Rückenschmerzen. Laufende Studien sollen die bisher vorliegenden Ergebnisse untermauern.
  • Die ungiftigen Hagebutten sind auch eine schmackhafte und gesunde Abwechslung in der Küche, wo sie als Marmelade oder frisch in Soßen zu Fleisch sowie in Chutneys, in Likör und oder Fruchtwein ihr säuerlich-süßes Aroma entfalten.

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Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.


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